Der Stromkasten als Leinwand

Gaffitis sind aus Freiburg nicht mehr wegdenken, ob legal oder Illegal, mit oder ohne politische Aussage. Wenn Sie schön gemacht sind, verhelfen sie der Stadt farbenfroher zu werden und lassen unansehnliche Wände verschwinden. Graue, nichtssagende Stromkästen zu verschönern hat sich der Freiburger Streetart-Künstler Lemon „Jo“ diesen Sommer vorgenommen und dabei – nicht ganz legal – den Stromkästen in der Haslacher Gartenstadt zu wunderbarem Glanz verholfen. Statt derber Graffiti-Sprüche zieren nun poetische Schablonenbilder die Kästen und sind eine prima Bereicherung für das Viertel. Die kostenlose OpenAir-Galerie ist rund um die Uhr geöffnet und die Bilder haben den Vorteil, dass sie nicht ungeahnt im Shredder wieder verschwinden

Natur so nah

Bei meinen Streifzügen durch Freiburg bin ich immer wieder überrascht, wie nahtlos die einzelnen Stadtteile in die benachbarten Wiesen, Wälder oder Weinberge übergehen. Wie Architektur sich mit der Landschaft im Hintergrund zu einer Einheit verbindet, trotz klarer Kanten und geometrischen Formen.

Laubfroschgrün im Laubengang

Die Laube als Ort im Freien, der Laubengang als offenes Treppenhaus, begrünt durch grüne Türen und grüne Sichtschutzelemente. Mit einem Ort im Grünen hat dieser an der Straße gelegene Laubengang jedoch nichts zu tun. Auch Sonnenanbeter oder spielende Kinder wird man hier weniger finden. Der Laubengang erfüllt hier seinen architektonischen Zweck, er ist Erschließungsgang zu den einzelnen Wohnungen. Mit den trostlos grauen, verschmutzten, oft als Abstellfläche genutzten Laubengängen vergangener Jahrzehnte hat er aber nichts mehr gemeinsam, dafür sorgt das Laubfroschgrün.

Tudorstil und Glasfassade in repräsentativer Bauweise

Es gibt Ausblicke, die kommen nur in der blattlosen Jahreszeit zum Vorschein, wie hier von der Rosastraße Richtung Bismarckallee. Der kahle Baum macht den Blick frei auf den im Jahr 2000 fertig gestellten Büroturm am Bahnhof. Die Fassade besteht hauptsächlich aus Glas und es ist anzunehmen, dass die Aussicht über Freiburg in der obersten Etage des 45 m hohen Turms spektakulär ist. 150 Jahre länger residiert hingegen das im gotischen Tudorstil für die Witwe Colombi zwischen 1859-1861 gebaute Colombischlösschen auf dem grünen Hügel. Als Privatvilla gebaut, entschied sich die Bauherrin für einen repräsentativen Baustil mit reichlich Verzierung. Zur damaligen Zeit ragte das Bauwerk sicherlich auch aus seiner Umgebung hervor und hatte eine ähnliche Signalwirkung wie der Bahnhofsturm heute. So gesehen haben die beiden Bauwerke dann doch eine Gemeinsamkeit.

Brutale Anbauten

Brutal wirken die grauen Balkone aus Sichtbeton (frz. „béton brut“) inmitten der lieblichen Altbaufassaden. Sie verstecken sich nicht, sind in Ihrer rohen Materialität sichtbar. In den Jahren 1960 und 1980 präsentiert sich der Sichtbeton in voller Wucht an vielen Bauten weltweit. Beton als Synonym für Zukunft, als Gestaltungsprinzip für eine klassenlose Gesellschaft (in diesem Fall: Balkone für alle Bewohner und nicht nur für die privilegierten Etagen.) Auch in Freiburg galt Sichtbeton als modern und schön, was heute für die meisten kaum mehr nachvollziehbar ist. Umso erstaunlicher ist, dass es seit einigen Jahren eine wachsende Fangemeinde gibt, die sich der Dokumentation der brutalistischen Betonbauten verschrieben hat und weltweit Beispiele in einer Datenbank sammelt. Die Ausstellung „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster“ im Deutschen Architekturmuseum zu sehen vom 9. November 2017 bis 2. April 2018 befasst sich ebenfalls mit diesem Thema.

Fensterumrandung setzt Akzente

Gutleutmatten-West ist in ständiger Bewegung und die Ausblicke verändern sich laufend. Bestimmte zunächst an der Eschholzstraße ein grauer Betonriegel das Bild, hat sich dieser nun zu einem orangefarbenen Gebilde verwandelt, deren Fassade von rhythmisch angeordneten weißen Fensterumrandungen beherrscht wird. Wesentlich graziler kommt die graue Fassade des Hauses weiter im Hintergrund daher. Auch da wurde auf eine Fensterumrandung nicht verzichtet, aber wesentlich dezenter umgesetzt, dafür fallen die verschiedenen Fenstergrößen und deren unrhythmische Anordnung mehr ins Gewicht. Das Haus rechts wartet noch auf seine Fertigstellung, bis dahin wird der rote Baukran das Bild bestimmen.

Vergänglichkeit

In einer Stadt gibt es Gebäude, die hunderte von Jahre alt, das Stadtbild prägen und oft Kriege, Brände und Unwetter überstanden haben. Und da gibt es die Anderen, nur wenige Jahrzehnte alte Gebäude, die nicht mehr zu retten sind, oder deren Sanierung zu teuer ist und sie deshalb zum Abriss frei gegeben sind. In Freiburg ist das nicht anders. Bald wird man durch das Windfenster am Hauptbahnhof von der Egonstraße aus nicht mehr auf das Rückgebäude des Hotel Rheingold (Eisenbahnstraße) blicken können. Denn schon in den nächsten Wochen soll mit dem Abriss der Volksbankzentrale und dem dazugehörenden Hotel Rheingold begonnen werden. Gerade einmal 35 Jahre alt ist das Hotelgebäude geworden. Die Sanierung des Volksbankgebäudes wäre zu teuer geworfen, die Büros waren nicht mehr zeitgemäß und auch das Hotel hatte bereits bessere Zeiten gesehen. Mit einem Neubau lassen sich die Gebäude auf einen energetisch modernen Stand bringen und auch die Grundrisse den Bedürfnissen der heutigen Zeit anpassen. Erstaunlich ist doch, wie schnell Architektur unmodern und unpraktisch werden kann. So wird man nun im Laufe der Abriss- und Neubauphase stetig wechselnde Ausblicke durch das Windfenster betrachten können.

Verhängt

Seit einigen Wochen sind die großen Fenster und die Eingangstüren auf der Ostseite des Freiburger Theaters mit weißen Vorhängen zugehängt. Ein eindeutiges Signal, dass das Publikum noch nicht erwünscht ist und man sich vor neugierigen Blicken schützen möchte. Als der Sturm letzte Woche durch Deutschland fegte, flatterten diese munter umher, blieben immer wieder an den Skulpturen hängen und das Gebäude öffnete sich ein Stück. Mitarbeiter auf Hebebühnen sorgten für eine erneute Verhüllung. Bleibt zu hoffen, dass am Eröffnungwochenende die Vorhänge sowohl außen als auch innen aufgehen und man sich willkommen fühlt.

Vorgartenidylle

Die Häuser der zwischen 1870 und 1889 erbauten Knopfhäusle-Siedlung erscheinen auf den ersten Eindruck zwar etwas in die Jahre gekommen, aber durch die Vorgärten recht idyllisch. Ob das die Bewohner auch so sehen ist fraglich. Denn seit Jahren verschiebt sich die dringend anstehende Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Arbeitersiedlung. Doch seit diesem Jahr bewegt sich etwas, Fördergelder sind zugesichert worden und über einen Sanierungszeitplan wird nachgedacht. Einigen Bewohnern geht das zu langsam. Sie sind selbst aktiv geworden und haben sich ihren Vorgarten verschönert. Ein Glück für das Kulturdenkmal.

29.05.2017

Im Spiegel online habe ich kürzlich einen Artikel über einen Architekturstudenten gelesen, der aus grauen Plattenbauten mit Hilfe von Photoshop farbige Kunstwerke kreiert. Die Ergebnisse sind durchaus ansprechend und wären in der Realität echte Hingucker. Farbe als Gestaltungsmittel in der Architektur ist bei einigen Hochhäusern in Freiburg auch ohne Photoshop verwirklicht worden, ob im Vauban, Landwasser oder Weingarten. Farbe strukturiert und betont Fassaden und wie in diesem Beispiel schafft sie eine warme Atmosphäre.